Fachstelle Islam im Land BrandenburgDie Diversität des Islams verstehen lernen, antimuslimischem Rassismus und islamistischer Radikalisierung begegnen.

Das Projekt und seine ZieleI.    Ausgangslage

Seit 2015 wird ein deutlich erhöhter Bedarf von kommunalen Behörden, Kitas, Schulen und Jobcentern bis hin zur Jugendarbeit, Willkommensinitiativen und zivilgesellschaftlichen Organisationen bezüglich des Wissens über den Islam, der Auseinandersetzung mit und der Prävention von radikalisiertem Islamismus registriert. Auch der wachsende und lauter werdende antimuslimische Rassismus trägt dazu bei, dass der Bedarf an einer Fachstelle Islam im Land Brandenburg gestiegen ist.
Besonders hinsichtlich der Fragen an „den“ Islam sind Diskrepanzen zwischen dem Vorliegen von Informationen zum Islam in Büchern und Materialien aus dem Internet und dem Bedürfnis nach Informationen zu erkennen. Gerade im säkularisierten Brandenburg ist die Auseinandersetzung mit der Religion des Islams alleine durch Lektüre nicht gewährleistet. Es bedarf Fortbildungen, Fachtagen, Prozessbegleitungen, aber auch individueller Gespräche. Konzepte, die bisher entwickelt wurden, müssen umgedacht werden und erweitertes Wissen ist vonnöten, um die neue Situation entsprechend gewinnbringend für alle zu gestalten. Dies gilt in besonderem Maße für Brandenburg.

II.    Themenfelder

  1. Prävention von antimuslimischen Rassismen in der Gesellschaft
    Neben den allgemeinen und erprobten Ansätzen demokratiepädagogischer, diversitätsorientierter und gewaltpräventiver Maßnahmen, stellt das Kennenlernen der unterschiedlichen Religionsausprägungen einen elementaren Bestandteil für ein nachhaltiges und vorurteilsfreies Verständnis des Islams dar. Antimuslimische Rassismen fördern ein einseitiges, konservatives Bild des Islams, das der Lebensrealität vieler Muslim*innen nicht entspricht. Hier sollte an unterschiedlichen Stellen angesetzt werden, z.B. im Schulunterricht, soweit er Religionen, Geschichte und politische Bildung betrifft. Im Allgemeinen sollte eine Kommunikation miteinander gefördert werden, die durch Begegnungen Ressentiments abzubauen vermag. Eine Vielzahl an Plattformen sind für diesen Zweck geeignet und sollen u.a. in Kooperation genutzt sowie unterstützt werden.
     
  2. Islam und radikaler Islamismus als Themen politischer und interkultureller Bildung
    Vielen Menschen fällt die Grenzziehung zwischen dem Islam als Glaubenshaltung und radikalem Islamismus als politischer Ideologie sehr schwer. Diese Unterscheidung ist aber unabdingbar für die Aufnahmebereitschaft unserer Gesellschaft. Nur durch eine kritische Analyse können die Unterschiede beleuchtet, Ressentiments abgebaut und gleichzeitig Ablehnung sowie Feindschaft gegenüber muslimischen Menschen abnehmen. Auch hier soll mithilfe der Bildungsarbeit einseitigen Darstellungen und Diskussionen entgegengewirkt werden.
     
  3. Prävention von demokratiefeindlichen Einstellungen bei jungen muslimischen Menschen
    Viele junge muslimische Menschen sind mit ihren Familien oder als unbegleitete minderjährige Geflüchtete nach Brandenburg gekommen. Sie und ihre Familien unterliegen bestimmten rechtlichen Restriktionen und Herausforderungen der Integrationsanforderungen, so beispielsweise Sprache, Status, erlebte Ablehnungen in der Gesellschaft und asymmetrische Beziehungen im sozialen Umfeld. Durch Angebote der gesellschaftlichen Integration wird die Stärkung individueller Widerstandsfähigkeit gegen demokratiefeindliche Einstellungen gefördert. Wichtig bleibt hierbei die Analyse individueller und allgemeiner Problemlagen. Wir dienen auch hier als Ansprechpartner*innen in beratender Funktion. Inklusion und nicht Ausgrenzung sind zentral für die Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe. Jede erfahrene Ablehnung und Stigmatisierung, die ein Jugendlicher erfährt – gleich welcher Herkunft und Religionszugehörigkeit – kann eine ablehnende und pessimistische Haltung gegenüber der Gesellschaft und demokratischen Werten bewirken. Wir sehen es als eine unserer Aufgaben an, das Bewusstsein für diese Prozesse nachhaltig zu stärken.
     
  4. Unterstützung von Beratungsstrukturen sowie Fortbildungsangebote
    Ein wichtiges Anliegen ist es, bestehende Beratungsstrukturen in ihren Prozessen zu unterstützen. So können hilfreiche Synergieeffekte hergestellt werden, um eine enge Kooperation zu ermöglichen. Eigene Fortbildungs- und Beratungsangebote werden auf Nachfrage zielgruppenorientiert angeboten, um auf kommunaler und landesweiter Ebene agieren zu können. Hierbei werden Kooperationspartner*innen in der Suche nach geeigneten Referent*innen, die Koordinierung derselben, der Evaluierung und Weiterentwicklungen unterstützt. Wir verstehen uns, die Mitarbeitenden der Fachstelle Islam, auch als Mediator*innen, welche Missverständnissen vorbeugen und zu einer reflektierten Diskussion gegensätzlicher Ansichten beitragen möchten.

III.    Die Zielgruppen

  1. Leiter*innen und Mitarbeiter*innen der Kinder- und Jugendhilfe, die mit muslimischen Kindern und Jugendlichen arbeiten
  2. Mitarbeiter*innen in der Geflüchteten- und Migrationssozialarbeit
  3. Schulleitungen, Lehrkräfte, Schulsozialarbeit und Eltern an Brandenburger Schulen
  4. Mitarbeiter*innen in Einrichtungen der Familienhilfe und Familienbildung
  5. Kommunale Verantwortungsträger*innen
  6. Ehrenamtliche in der Geflüchtetenarbeit
  7. Mitarbeiter*innen in der kommunalen Verwaltung

In naher Zukunft werden wir Bildungsangebote und Fortbildungen konzipieren, auf welche die genannten Zielgruppen zugreifen und in Anspruch nehmen können. Weiterhin werden wir bereits bestehende Fort- und Weiterbildungsangebote in ihren Inhalten und ihrem Handeln unterstützen.
Zudem beabsichtigen wir, auf der Projektwebseite eine Literaturliste zu bestimmten Themen inklusive Kurzbeschreibungen bereitzustellen, die Aspekte des Islams behandeln, so dass sich interessierte Menschen in Eigeninitiative weiterbilden können.

Die Fachstelle Islam im Land Brandenburg hat eine vorläufige Projektlaufzeit bis Ende 2019 und wird gefördert durch das Tolerante Brandenburg und Demokratie Leben.

Logo Tolerantes Brandenburg          Logo Demokratie leben

RAA Brandenburg
Demokratie und Integration Brandenburg e.V.

Dr. Yunus Yaldiz

Projektleitung
Fachstelle Islam im Land Brandenburg

Zum Jagenstein 1
14478 Potsdam
Tel.: +49 331 747 80 11
Fax: +49 331 747 80 20
Mobil: +49 176 444 523 87

y.yaldiz@raa-brandenburg.de
www.raa-brandenburg.de

 

Mohammed Al Hayek

Bildungsreferent*in
Fachstelle Islam im Land Brandenburg

Zum Jagenstein 1
14478 Potsdam
Tel.: +49 331 747 80 11
Fax: +49 331 747 80 20
Mobil: +49 176 438 524 43

m.alhayek@raa-brandenburg.de
www.raa-brandenburg.de

 

  

Dr. Yunus Yaldiz

Dr. Yunus Yaldiz

 

Mohammed Al Hayek

Mohammed Al Hayek